Vitamin D im Hochleistungssport?
Hat die Ergänzung mit Vitamin D einen Einfluss auf die Performance von Athleten?
Vitamin D erfüllt eine Großzahl von Aufgaben im menschlichen Organismus.
Ob zur Steigerung der Muskelkraft, Verringerung eines Frakturrisikos oder der Infektanfälligkeit, Vermeidung von Stürzen und vielem vielem mehr, profitieren insbesondere Leistungsathleten (aber auch Normalbürger) von einer Überwachung ihrer Werte und der gegebenfalls notwendigen Supplementierung des Sonnenvitamins.
Inhalt
Klicke direkt auf die Links, um zum gewünschten Unterthema zu gelangen!
Wer profitiert von einer Vitamin D Supplementierung?
Vitamin D Ergänzung hat für die gesamte Population positive Effekte.
Wie Du noch lesen wirst ist ein Großteil der Deutschen mit Vitamin D unterversorgt, dazu zählen auch insbesondere die Athleten als Subgruppe (und das ganz EGAL, ob diese drinnen oder draußen trainieren). Bis zu 90% der Männer und Frauen erreichen nichtmals die Aufnahme bzw. Synthese des Mindestwerts von 200 I.E. pro Tag (Gröber, 2008).
Desweiteren hängt die Bildung von Vitamin D sonnenbedingt von vielen weiteren Faktoren ab, wie z.B. dem Breitengerad. Die Deutschen beispielsweise bekommen im Winter nicht genug UVB-Strahlen für eine suffiziente D-Bildung ab.
Außerdem können weitere Faktoren wie Übergewicht, das Mikrobiom oder Entzündungen des Darms die Speicherung des Vitamins negativ beeinflussen. Bei alten Menschen nimmt zusätzlich die Syntheseleistung der Haut ab.
Demnach sollten folgende Gruppen von Menschen eine Supplementierung in Erwägung ziehen;
- Breiten- & Leistungssportler
- Adipöse Menschen
- Ältere Menschen
- Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen
- Menschen, die nicht genügend Sonne bekommen
- Menschen in Ballungsgebieten (Dunst)
- Infektanfällige Menschen
- Arme Menschen
- Dunkelhäutige Menschen
- Menschen in “dunklen” Breitengeraden
Einleitung
Von den 553 in meiner Thesis untersuchten Athleten waren knapp die Hälfte unzureichend bis mangelhaft mit Vitamin D versorgt.
Das deckt sich mit der Gesamtbevölkerung; hier gehen bestimmte Autoren sogar von 80% aus, die ungenügend vesorgt sind.
Besonders schlimm malt sich das Bild in den Seniorenheimen aus, was daran liegen mag, dass die Haut mit zunehmendem Alter weniger Vitamin D produzieren kann.
Vitamin D Stoffwechsel
Wusstest Du, dass Vitamin D eigentlich garkein Vitamin ist, sondern ein Hormon?
Das liegt daran, dass es seine Wirkung erst durch Kopplung an Steroidrezeptoren entfaltet.
Vitamin D wird zu 10% über die Nahrung aufgenommen (Fettfisch, Leber, Eigelb und andere) und zu 90% in der Haut – mittels UVB-Strahlen der Sonne – gebildet (Dötsch, 2014).
Man unterscheidet zwischen Vitamin D2 (Ergocalciferol), was durch pflanzliche Nahrung in uns gelangt und zwischen Vitamin D3 (Cholecalciferol), welches über tierische Lebensmittel oder durch Sonnenbestrahlung gebildet wird.
In mehreren Schritten entsteht letztlich in der Leber 25(OH)D (25-Hydroxy-Vitamin-D), welches als etablierter Marker zur Bestimmung der D-Werte im Blut gilt.
Die aktive Form wird final in der Niere hergestellt; 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D3.
Vitamin D Mangel
Durch die große Abhängigkeit der UVB-Strahlen bzw. der allgemeinen Besonnung zur Vitamin D Bildung, haben verschiedene Faktoren Einfluss auf die Werte im menschlichen Körper.
Hierunter fallen;
- der Breitengrad
- die Tageszeit
- der Melanin Gehalt in der Haut
- aufgetragene Sonnenschutzfaktoren
- das Alter
- Bekleidung bzw. Bedeckung der Haut
Die niedrig stehende Sonne in den Wintermonaten macht eine Vitamin D Bildung quasi unmöglich. Folglich sinkt die Vitamin D Konzentration der Population ab den Herbstmonaten und erreicht im Winter ein Minimum.
Weiterhin spielen Ozon, Wasserdampf & Luftverschmutzung eine tragende Rolle, da sie allesamt die auf die Erde treffenden Strahlen hemmen.
Selbst in sonnigen Staaten, wie Miami, kommt es zu D-Mangelwerten, da Menschen dort unter anderem bewusst die Sonne meiden oder Sonnenschutzfaktoren auftragen (Cannell et al., 2009).
Ab wann man von einem Vitamin-D-Mangel spricht ist in der Literatur unklar.
Bezüglich der empfohlenen Tagesdosis lässt sich festhalten, dass Deutschland international gesehen die geringsten Empfehlungen hat. Mit 200 I.E. pro Tag (Linseisen et al., 2011) stehen wir dem internationalen Vergleich zu 800-1.000 I.E. pro Tag erheblich nach (Holick, 2007). (I.E. steht für internationale Einheiten, Messung des Vitamin D Spiegels – manchmal auch I.U., englisch für “international units)
Wichtig zu bemerken ist, dass wir hier von den Empfehlungen für “den Normalbürger” ausgehen. Das heißt, ältere Menschen, mit einer geringeren Hautsyntheseleistung werden in den deutschen “200 I.E.” garnicht angesprochen. Auch nicht Athleten, die eventuell einen höheren Bedarf ausweisen.
In meiner Thesis schlussfolgere ich, dass 2.000 I.E. pro Tag unbedenklich sind und zur Erhaltung und Aufbau der Werte geeignet sind.
Vitamin D Toxizität
Auch über die Toxizität bzw. einer Hypervitaminose, also Überdosierung, ist man sich in der Literatur uneinig.
Hierbei dürfte aber als gesichert gelten, dass durch die Speicherwege über Fettdepots eine Überdosierung relativ unwahrscheinlich ist.
Zudem argumentieren unter anderem Jastrzebska et al., dass der Körper täglich 3.000-5.000I.E. Vitamin D verbrauche (2016).
Vitamin D, COVID-19 & Immunsystem
Der Zusammenhang zwischen Vitamin D Mängeln und einem funktionsgestörten Immunsystem wird in zahlreichen Studien belegt;
Niedrige Spiegel können chronische Erkankungen bedingen. So nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hier Korrelationen zu Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Linseisen et al., 2011). Weiterhin gibt es Hinweise Zusammenhänge zu Diabetes Mellitus Typ 1 (Dötsch, 2014), Typ 2 und Multipler Sklerose (Munger et al., 2004).
Es häufen sich auch Hinweise darauf, dass hohe Vitamin D Werte einen günstigen Einfluss auf den Verlauf und die Mortalität in der COVID-19 Erkrankung haben. Hierunter werden unter anderem die anti-entzündliche und immunstimulierende Wirkung von Vitamin D rezitiert, die beispielsweise das Risiko eines Cytokinsturms im Krankheitsverlauf verhindern könnte (Grant et al., 2020).
Die Fachgruppe COVRIIN am Robert-Koch-Institut nennt nennt Vitamin D in Ihrem Dokument zur Bewertung möglicher Therapien bei COVID-19 als unterstützende Therapie. Es gäbe Hinweise für weniger schwere Verläufe, reduzierte Risiken der Intensivpflichtigkeit und schnellere Elimination des Virus (RKI, 2021).
Mangelzustände von Vitamin D im Hochleistungssport sollten ausgeglichen werden.
Vitamin D, Muskulatur & Knochen
Auch muskulär kann Vitamin D im Hochleistungssport eine Wirkung haben, denn die Muskulatur wird mittels Steroidrezeptoren durch das Wunderhormon reguliert.
Verschiedene Autoren gehen davon aus, dass die Muskelkraft durch eine induzierte Muskelproteinsynthese verbessert werden könne (Wyon et al., 2015; Montenegro et al., 2020; Carswell et al., 2018).
Michalczyk et al. (2020) diskutieren, dass auch geringe Testosteronwerte mit einem Vitamin-D-Mangel korrelieren. Alimoradi et al. (2019) disktuieren eine durch Vitamin D erhöhte Zustellung des Insulin-Like-Growth-Factors (IGF-1) zu den Muskeln.
Ferner wird Vitamin D als Behandlung für Muskelschwäche und -schmerzen eingesetzt, so Holick (2007). Der Autor bemerkt weiterhin, dass in der älteren Population die Gabe von Vitamin D in reduzierten Stürzen resultiere.
Vitamin D ist für den Knochenstoffwechsel essenziell, da es die Kalzium Resorption (Aufnahme) aus dem Darm und den Einbau in den Knochen erhöht. Ein Mangel an Vitamin D resultiert in einer verfrühten Alterung der Knochen und einer Erhöhung der Brüchigkeit sowie des Frakturrisikos (Butscheidt et al., 2017). Neugeborenen wird zur Aushärtung der Knochen im Frühkindesalter Vitamin D verabreicht.
Fazit zu Vitamin D im Hochleistungssport
In meiner Thesis habe ich den Einfluss einer Vitamin D Supplementierung auf die Leistungsfähigkeit von Athleten unterschiedlicher Sportarten analysiert.
Dabei habe ich mir insbesondere die Einflüsse auf die Kraftparameter der Athleten angeschaut.
Auffällig hierbei waren 2 Dinge;
- die Gesamtpopulation SOWIE die Athleten als Subpopulation dürften zu 80% defizitär in ihren Vitamin D Werten gelten
- erst ein erheblicher Anstieg der Vitamin D Werte in defizitären Athleten hatte auch einen höheren Einfluss auf ihre Kraft bzw. Leistung
Die meiner Meinung nach spannendste und vielversprechendste Studie verabreichte den Athleten innerhalb von 4 Tagen 120.000 I.E. Vitamin D und konnte damit defizitäre Werte NICHTMALS in klinisch suffiziente Werte anheben (d.h. eine zweite Dosis wäre mindestens nötig). Wir reden hier von mehr als 30x so viel Vitamin D, was täglich international (nicht in Deutschland) empfohlen wird. Diese Studie konnte zudem auch enorme Kraftsteigerungen aufweisen. Hieran ist ersichtlich, dass für Athleten insbesondere vor Wettkämpfen eine Kontrolle der Werte ESSENZIELL sein kann.
Weitere wichtige Punkte
Die Gewebe unserer Körpers reagieren unterschiedlich auf Vitamin D. So könnte bspw. das Muskelgewebe mehr Vitamin D benötigen, um Kraftsteigerungen aufzuweisen.
Alle Empfehlungen für die Vitamin D Zufuhr – weltweit – gelten aber dem Knochenstochwechsel der Normalpopulation – NICHT der Muskulatur oder den Athleten als Subpopulation, was für die weitere Untersuchung des Themas und der täglichen Dosierung Fragezeichen aufwirft.
Schwierigkeiten bekommen Studien, die Vitamin D im Hochleistungssport untersuchen auch dadurch, dass man die vielen Variablen (die mitunter durch die UVB-Bestrahlung uvm. entstehen) nicht bzw. nur schwer kontrollieren kann.
Um von den etlichen positiven Wirkungen des Vitamin D’s zu profitieren, rät sich eine Supplementation in allen Gruppen um 2.000 I.E. am Tag. Neben günstigen Einflüssen auf die Muskelkraft besticht Vitamin D vor allem durch seinen immensen Einfluss auf unser Immunsystem, Knochen, Stimmung UND durch seine Kosteneffektivität.
Du hast noch Fragen zu Vitamin D?
Lass‘ es uns über das Formular unten wissen und wir updaten den Artikel für Dich!
Literaturverzeichnis A-H
- Butscheidt, S., Rolvien, T., Ueblacker, P., Amling, M., & Barvencik, F. (2017). Bedeutung von Vitamin D im Sport: Reduziert ein Mangel die Leistungsfähigkeit? Sportverletzung· Sportschaden, 31(01), 37-44
- Cannell, J. J., Hollis, B. W., Sorenson, M. B., Taft, T. N., & Anderson, J. J. (2009). Athletic performance and vitamin D. Medicine & Science in Sports & Exercise, 41(5), 1102-1110.
- Carswell, A. T., Oliver, S. J., Wentz, L. M., Kashi, D. S., Roberts, R., Tang, J., Izard, R. M., Jackson, S., Allan, D., Rhodes, L. E., Fraser, W. D., Greeves, J. P., & Walsh, N. P. (2018). Influence of Vitamin D Supplementation by Sunlight or Oral D3 on Exercise Performance. Medicine and science in sports and exercise, 50(12), 2555–2564.
- Dötsch, J. (2014). Vitamin-D-Stoffwechsel. Pädiatrie up2date, 9(04), 343-352.
- Grant, W. B., Lahore, H., & Rockwell, M. S. (2020). The benefits of vitamin D supplementation for athletes: Better performance and reduced risk of COVID-19. Nutrients, 12(12), 3741.
- Gröber, U. (2008, 15. August). Metabolic Tuning statt Doping: Mikronährstoffe im Sport (1. Auflage 2008). Hirzel, S.
- Holick, M. F. (2007). Vitamin D Deficiency. New England Journal of Medicine, 357(3), 266-281.
Literaturverzeichnis J-Z
- Jastrzębska, M., Kaczmarczyk, M., & Jastrzębski, Z. (2016). Effect of Vitamin D Supplementation on Training Adaptation in Well-Trained Soccer Players. Journal of strength and conditioning research, 30(9), 2648–2655.
- Linseisen, J., Bechthold, A., Bischoff-Ferrari, H. A., Hintzpeter, B., Leschik-Bonnet, E., Reichrath, J., … & Zittermann, A. (2011). Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten. Bonn: Deutsche Gesellschaft für Ernährung eV.
- Michalczyk, M. M., Gołaś, A., Maszczyk, A., Kaczka, P., & Zając, A. (2020). Influence of Sunlight and Oral D3 Supplementation on Serum 25(OH)D Concentration and Exercise Per-formance in Elite Soccer Players. Nutrients, 12(5), 1311.
- Montenegro, K. R., Cruzat, V., Melder, H., Jacques, A., Newsholme, P., & Ducker, K. J. (2020). Vitamin D Supplementation Does Not Impact Resting Metabolic Rate, Body Composition and Strength in Vitamin D Sufficient Physically Active Adults. Nutrients, 12(10), 3111.
- Robert-Koch-Institut, F. C. a. (2021). Medikamentöse Therapie bei COVID-19 mit Bewertung durch die Fachgruppe COVRIIN am Robert-Koch-Institut. In (pp. 26): Robert Koch-Institut.
- Schlereth, F., & Badenhoop, K. (2016). Vitamin D. Der Internist, 57(7), 646-655.
- Wyon, M. A., Wolman, R., Nevill, A. M., Cloak, R., Metsios, G. S., Gould, D., … & Koutedakis, Y. (2016). Acute effects of vitamin D3 supplementation on muscle strength in judoka athletes: a randomized placebo-controlled, double-blind trial. Clinical journal of sport medicine, 26(4), 279-284.

